Sozialverein B37 hilft Wohnungslosen bereits seit 23 Jahren In Linz muss niemand auf der Straße leben
Neun unterschiedliche Einrichtungen und Unterstützungsangebote stellt der Sozialverein B37 wohnungslosen Menschen zur Verfügung. Viele sind zum Teil unverschuldet durch Scheidung und Arbeitsplatzverlust in die Obdachlosigkeit abgerutscht, andere haben aufgrund von Suchterkrankungen sowie psychologischen Problemen kein Dach mehr über dem Kopf. B37 nimmt sich um diese Menschen an. Insgesamt 247 Betten sowie 140 mobilbetreute Wohnplätze stehen durch diesen Verein zur Verfügung. „Das Angebot in Linz ist mittlerweile so gut ausgebaut, dass die in Linz von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen vollständig versorgt werden können, sofern sie eine Unterstützung in Anspruch nehmen wollen“, schätzt der Linzer Sozialreferent Vizebürgermeister Klaus Luger die Leistungen des Vereins B37 besonders hoch ein. Im vergangenen Jahr 2011 festigte sich die Tendenz, dass immer mehr Frauen, Minderjährige sowie über Sechzigjährige von Obdachlosigkeit betroffen sind. „Jährlich kann rund ein Sechstel der betreuten Obdachlosen wieder so weit stabilisiert werden, dass sie in einer fixen Wohnform unterkommen und wieder einigermaßen Tritt im Leben finden“, berichtet Luger auch über Erfolge in der Wiedereingliederung Obdachloser in unsere Gesellschaft.
Die Nächtigungszahlen in den Einrichtungen des B37 liegen seit zwei Jahren recht stabil. 2011 wurden 129.000 Nächtigungen verzeichnet. In den stationären Einrichtungen wie der Notschlafstelle und der psychosozialen Betreuung waren es rund 87.000 und in den mobil betreuten Wohnformen zirka 42.000. Dies entspricht einer Auslastung von rund 96 Prozent der vereinseigenen Schlaf- und Wohnplätze. Wenngleich der Anteil von unterkunftsuchenden Frauen 2011 mit 173 Personen etwa gleich geblieben ist, ist die Tendenz erkennbar, dass der Anteil obdachloser Frauen zunimmt. Die Besuchszahlen der Männer verlaufen seit rund zehn Jahren rückgängig. Vergangenes Jahr waren es 543.
Bei Minderjährigen ist ein Anstieg zu verzeichnen, sodass sie derzeit einen Anteil von rund 9 Prozent unter den B37-NutzerInnen ausmachen. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren konnte seit 2007 erfreulicherweise ein Rückgang festgestellt werden. 2011 waren sie aber dennoch für ein Fünftel der Nächtigungen verantwortlich. Den prozentuell höchsten Zuwachs laut Altersstruktur verzeichnete im vergangenen Jahr die Gruppe der über 60-Jährigen. Sie haben einen Anteil von rund zehn Prozent.
Der Großteil der Linzer Obdachlosen, 57 Prozent, ist in Oberösterreich geboren, 14 Prozent in anderen Bundesländern und 29 Prozent kamen aus einem anderen Land. Zwei Jahre vor ihrer Obdachlosigkeit lebten jedoch bereits fast 79 Prozent in Linz, unmittelbar davor sogar 93 Prozent. „Wie auch andere größere Städte zieht Linz Obdachlose aus dem Umkreis einfach an. Ein direkter Zuzug von wohnungslosen Personen aus dem Ausland findet hingegen kaum statt und ist de facto unbedeutend“, so Luger über die Wanderungsentwicklung von in Linz betreuten Obdachlosen.
Die Schulbildung der von B37 betreuten Personen ist durchaus vielfältig. Neun Prozent besuchten die Sonderschule, 12 Prozent besitzen einen Volksschulabschluss und 36 Prozent eine Hauptschulausbildung. 16 Prozent haben einen Lehrabschluss oder zumindest eine Lehre ohne Abschluss (13,5 Prozent). Darüber hinaus wurden auch Personen mit Matura, abgeschlossenem Studium und anderen Ausbildungsformen versorgt. Die größten, in den B37 Einrichtungen vertretenen Berufsgruppen waren zu 62 Prozent HilfsarbeiterInnen und FacharbeiterInnen mit 21 Prozent. Sechs Prozent waren angelernte ArbeiterInnen und vier Prozent Angestellte. Auch Selbstständige kamen für ein Dach über den Kopf, wenn auch nur zu rund zwei Prozent.
Neben der Zurverfügungstellung einer Unterkunft bei akuter Wohnungslosigkeit zielt der Verein auf die langfristige Stabilisierung seiner KlientInnen ab. Vorrangig sind dabei die finanzielle Versorgung und die Weitervermittlung in eine stabile Wohnform. Im vergangenen Jahr konnte dies bei 132 Personen erreicht werden. Die Aufenthalts- bzw. Verweildauer der KlientInnen in den B37 Einrichtungen variiert dabei stark. Sieben Prozent benötigen bereits nach einem Monat keine Hilfe mehr. Mit einem Jahr Betreuung schaffen es 20 Prozent wieder auf die eigenen Beine, jedoch mehr als 40 Prozent benötigen auch nach einem Jahr noch die Unterstützung des B37.
Rund 110 MitarbeiterInnen sind mittlerweile in einer der neun B37 Einrichtungen beschäftigt und ermöglichen erst die vielfältigen Leistungen. Die gesamte Finanzierung des Sozialvereins erfolgt grundsätzlich durch das Land Oberösterreich, die Stadt Linz trägt durch das Umlageverfahren rund ein Viertel zum Vereinsbudget bei.