Gemeinsame Initiativen für Elternvereine
Integration wurde bislang in der Linzer Stadtregierung als so genannte Querschnittsaufgabe verstanden, die von den verschiedenen Referaten und Verwaltungsdienststellen der Stadt Linz und zahlreichen Institutionen, Vereine und NGO’s wahrgenommen wurde. Mit Beginn der derzeitigen Gemeinderatsperiode gibt es in Linz ein eigenes Integrationsressort, mit der Aufgabe, die Maßnahmen noch besser zu koordinieren und die Kräfte zu bündeln.
Um die Lebenssituationen von Zugewanderten in verschiedenen Bereichen zu verbessern und nachhaltige Aktivitäten im Integrationsbereich zu setzen, wird die Zusammenarbeit zwischen MIB und dem Integrationsressort der Stadt Linz verstärkt. Eine gemeinsame Initiative zur Gründung von sprachen- und ethnischorientierten Elternvereinen sowie eine Kooperation bei wissenschaftlichen Veranstaltungen soll ein erster Schritt dieser engen Zusammenarbeit sein.
„Linz soll eine Stadt sein, in der die Menschen möglichst gute Lebenschancen vorfinden. Ein konfliktfreies Miteinander muss eines der Ziele sein. Durch entsprechende Initiativen kann dies unterstützt werden. Ein wesentlicher Schritt ist hier die Zusammenarbeit zwischen dem Integrationsressort und der Interessensvertretung der in Linz lebenden BürgerInnen mit migrantischem Hintergrund,“ so Vizebürgermeister Klaus Luger.
Integration im Sinne eines offenen Zusammenlebens findet konkret in Städten und Kommunen statt – der Stadtteil, das Wohnviertel, Kindergarten und Schule sind Orte des alltäglichen Kontakts zwischen Zugewanderten und Einheimischen. In Linz leben 189 355 Menschen mit Hauptwohnsitz (Stand 1. Jänner 2009). 27 205 Menschen oder 14,4 Prozent der Gesamtbevölkerung davon sind keine österreichischen StaatsbürgerInnen.
Damit diesem Teil der Linzer Bevölkerung die Möglichkeit gegeben wird, die städtische Integrationspolitik mitzugestalten, wurde 1996 der AusländerInnen-Integrationsbeirat (AIB) Linz eingerichtet. Der AIB wurde nach Ablauf einer sechsjährigen Funktionsperiode jeweils neu gewählt. Mit Dezember 2008 gab es auf Initiative der Migrantenvereine eine Neuorganisation des Beirats. Die entsandten Vertreter von den migrantischen Vereinen werden erstmalig vom Bürgermeister in den Beirat bestellt. Auch wurde der Beirat in Migrations- und Integrationsbeirat der Stadt Linz (MIB) umbenannt.
Der Beirat ist eine politische Interessenvertretung aller in Linz lebenden BürgerInnen mit migrantischem Hintergrund. Er setzt sich aus fünfzehn bestellten und ehrenamtlich tätigen Mitgliedern zusammen. Weiters entsendet jede im Gemeinderat vertretene Partei ein Gemeinderatsmitglied, das mit beratender Stimme im MIB vertreten ist. Bei regelmäßigen Arbeitstreffen und Sitzungen vertreten sie die Interessen der zugewanderten MitbürgerInnen. Der Beirat hält Kontakt zur zugewanderten Bevölkerung, hilft bei Anfragen und Problemstellungen, steht beratend in städtischen Ausschüssen zur Verfügung und wirkt an städtischen Entscheidungsprozessen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten mit. Ziele des Migrations- und Integrationsbeirats der Stadt Linz sind, die Interessen von MigrantInnen auf kommunaler Ebene mit ein zu beziehen, die Lebenssituation von Zugewanderten in verschiedenen Bereichen zu verbessern, Vorurteile und Diskriminierungen abzubauen und das Verständnis zwischen den Bevölkerungsgruppen verschiedener Herkunft zu fördern.
Integration war in den letzten Jahren eine Querschnittsaufgabe, die bereits bisher von den verschiedenen Referaten der Stadt, vor allem aber durch unterschiedliche Vereine und NGOs wahrgenommen wurde. Um diese Kräfte zu bündeln und die Maßnahmen künftig noch besser zu koordinieren, wurde ein eigenes Integrationsressort ins Leben gerufen.
Als vernetzende und unterstützende Stelle wurde bereits 1991 das Integrationsbüro eingerichtet, welches intensiv mit dem Migrations- und Integrationsbeirat sowie dem nunmehr für Integrationsfragen zuständige Stadtsenatsmitglied zusammenarbeitet. Das Integrationsbüro ist eine wesentliche Schnittstelle zwischen Beirat, Politik, Verwaltung sowie den Volksgruppen und Vereinen.
Bei der Klausur des Migrations- und Integrationsbeirats der Stadt Linz Ende Jänner 2010 wurde festgelegt, dass man in Zukunft diese Zusammenarbeit noch weiter forcieren möchte. Gemeinsam sollen heuer Projekte und Initiativen umgesetzt werden. Als ersten Schritt möchte man hier vor allem Informationsabende veranstalten sowie die Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und Schule verbessern.
Das Bildungssystem ist bis heute das zentrale System bei der Zuteilung von Lebenschancen. Aus vielen Studien ist bekannt, dass Bildungschancen noch immer massiv von der sozialen Herkunft abhängig sind und es kaum zu einem Ausgleich unterschiedlicher Startvoraussetzungen kommt. Die Verantwortung der schulischen Erziehung liegt neben dem Schulsystem weitgehend bei den Eltern.
Viele Familien, vor allem jene mit migrantischem Hintergrund, stellt dies aber vor neue Herausforderungen, die sie traditioneller Weise nicht gewohnt sind. Oft sind die Eltern ohne Unterstützung nicht in der Lage, ihre Kinder ausreichend auf die schulische Laufbahn vorzubereiten. Gründe sind unter anderem bestimmte Ängste gegenüber österreichischen schulischen Institutionen, fehlende Kontakte und Informationen über Erziehungsinstitutionen. Mit dem Aufbau von sprachen- und ethnischorientierten Elternvereinen soll dem entgegen gewirkt werden. Die Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und Schule soll mit Hilfe dieses Projekts verbessert werden. Der Migrations- und Integrationsbeirat wird gemeinsam mit unterschiedlichen Vereinen, engagierten Eltern und dem Integrationsressort bis zum Beginn des neuen Schuljahres 2010/11 ethnischorientierte Elternvereine ins Leben rufen.
Die Elternvereine werden nicht auf Ebene einzelner Schulen gebildet, sondern nach Herkunftsgruppen. Das heißt, dass beispielsweise die türkische, die albanische, die bosnische, die kroatische oder serbische Bevölkerungsgruppe je einen eigenen Elternverein bilden. Dort sollen einerseits Informationsveranstaltungen für die Eltern zu aktuellen Bildungsthemen stattfinden, aber auch eine Bewusstseinsbildung bei den Eltern über das österreichische Schulsystem erfolgen. Darüber hinaus sollen die Familien in diesem Rahmen auch die Möglichkeit erhalten, sich über weitere Bildungs- und Schulwege ihrer Kinder zu informieren und gegebenenfalls Beratungen in Anspruch nehmen können.
Als weitere Maßnahme ist bereits mit Juni dieses Jahres ein Symposium zum Thema Bildung und Integration geplant. In Kooperation mit dem Institut Interkultureller Pädagogik und ExpertInnen wird das Thema Bildung aus der Perspektive der Integration beleuchtet.
Eine weitere Veranstaltung wird Ende Oktober stattfinden. Zum Thema Gesundheit und Migration ist eine Veranstaltungsreihe geplant, die mit einem Symposium ihren Auftakt findet. Schwerpunkte der Diskussionsveranstaltung wird die Auswirkung der Integration auf die Gesundheit, mögliche Benachteiligungen im Gesundheitsbereich und Leistungen für MigrantInnen sein. Zur Podiumsdiskussion sollen unter anderem Ärzte mit Migrationshintergrund, aber auch Institutionen wie Ärztekammer, Gebietskrankenkasse,… eingeladen werden.
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferent Vizebürgermeister Klaus Luger, Vorsitzenden des Migrations- und Integrationsbeirats Ilfad Husic und dem Leiter des Integrationsbüros Mag. Belmir Zec über die Zusammenarbeit zwischen dem neu geschaffenen Integrationsressort und dem Migrations- und Integrationsbeirat der Stadt Linz)
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